Die Orsons - "Orsons Island"

Record Of The Week

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Die Orsons waren kurz davor, sich aufzulösen. Daraus haben sie ein Album gemacht. „Orsons Island” erzählt von der großen Suche nach dem inneren Sehnsuchtsort – und davon, was das eigentlich bedeutet, sich selbst zu finden.

Nur mal so als Beispiel, ne? Die Single “Grille”. Der Beat ballert leicht trotzig, das Sample ist zerhäckselt und verfremdet von Effekten, aber klebt nach zweieinhalb Sekunden im Ohr. Dazu präsentieren die Orsons stolz ihre neueste Erfindung: die Microparty. Rein in den Club, kurz durchdrehen, zurück in den Tourbus und ab in die nächste Stadt. Drei Tage wach in zehn Minuten, einfach genial. Diese revolutionäre Eskalationsstrategie wird verpackt in die Parabel von der Grille und der Ameise. Die Grille singt den ganzen Sommer über und schert sich einen Dreck um den kommenden Winter. Die Ameise sorgt vor und überlebt. Aber: Überlebst du noch oder lebst du schon?

Das Album heißt „Orsons Island“. Weil jeder Song auf einer Insel entstanden ist. Vor allem aber weil es um die Suche nach einer Insel geht, der eigenen, dem Sehnsuchtsort, den jeder von uns in sich trägt. Wenn man so will, geht es also um alles. Leben, Life, Hayat. Die Orsons sind eine Band der Extreme, nicht nur was die sehr besondere Konstellation ihrer Mitglieder angeht. Am besten können sie ganz weit draußen und ganz tief drinnen, Observation und Tiefenpsychologie. „Orsons Island“ ist beides. Konkret folgt man den Orsons durch vier Phasen. Der erste Abschnitt der Platte beschreibt den Moment vor der Suche. Alles ist gut: Party, Zeitgeist, Verliebtsein, auch ein paar Zweifel, aber die gehören bei diesen Typen ja zum Grundmodus. Der zweite Abschnitt ist Niedergang: The drugs don’t work, zumindest nicht mehr. Also: Kopfüber in den Abgrund. Abschnitt Nummer drei markiert den Moment des Umdenkens und der Hoffnung. Klappt nicht? Naja, mach dich nicht verrückt, wird schon. Im letzten Abschnitt schließlich stehen das Ankommen und die Antworten. Einfach sind auch die nicht, natürlich nicht. So ein Paradies ist eben etwas sehr persönliches.