Die Preise für Gas, Strom und auch für Benzin steigen an. Warum ist das so und was kann dagegen getan werden?
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Die Preise für Gas, Strom und auch für Benzin steigen an. Warum ist das so und was kann dagegen getan werden?

Steigende Energiepreise – Gründe, Folgen und Maßnahmen

Die Preise für Gas, Strom und Benzin steigen derzeit spürbar an. Insbesondere viele Verbraucher:innen und hier gerade Geringverdiener:innen sowie kleinere Unternehmen leider darunter. Doch was sind die Gründe für die steigenden Energiepreise? Und welche Maßnahmen kann und sollte die Politik dagegen ergreifen? Außerdem ist die Frage, wie Verbraucher:innen selbst im Privaten sich verhalten können, um ihre Energiekosten zu reduzieren und damit Geld zu sparen.

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Die Gründe für derzeit steigende Energiepreise

Diesen Herbst wird das Leben für die Deutschen mitunter kälter. Wer hingegen nicht frieren möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. Denn die Energiepreise steigen deutlich spürbar an. Am extremsten macht sich dies im Großhandel bemerkbar. Um ganze 440 Prozent ist der Großhandelspreis für Erdgas von Januar bis Oktober 2021 angestiegen. Auch Kohle, die vor allem ebenfalls für die Energiegewinnung genutzt wird, erlebt einen immensen Preisanstieg. Man spricht von 384 Prozent im Vergleich zu 2020. Für Deutschland zeichnet sich ein entsprechender Preisanstieg ab – von 20 Euro pro Megawattstunde auf mehr als 65 Euro.

Auf Abschlagszahlungen der kommenden Monate dürften Verbraucher:innen Zahlen vorfinden, die sie bislang dort selten bis nie gesehen haben. Denn auf den Abrechnungen finden sich nicht nur Angaben darüber, wie viel Energie man verbraucht, sondern auch, wie der Gas- beziehungsweise Strompreis des jeweiligen Anbieters sich verändert hat.

Spätestens mit diesen erhöhten Zahlungsaufforderungen kommt die Frage auf, was eigentlich die Gründe für einen derartigen Anstieg der Energiepreise sind. Doch diese Frage lässt sich leider nicht völlig eindeutig beantworten. Mehrere Faktoren spielen hier vermutlich mit hinein.

  • Zum einen fährt die globale Wirtschaft nach der Coronapandemie, bzw. mit einem Abklingen dieser, langsam wieder an. Diese Erholung der Wirtschaft sorgt für eine steigende Nachfrage nach Energie und damit unweigerlich auch für höhere Preise.
  • Ebenfalls mit der Corona-Pandemie in Zusammenhang steht in Deutschland die Anpassung des Mehrwertsteuersatz für Strom und Gas auf 16 Prozent im Jahr 2020. Seit Anfang des Jahres 2021 liegt der Wert wieder bei den üblichen 19 Prozent. Im ersten Halbjahr mussten allerdings private Haushalte 4,7 Prozent mehr Kosten für Strom und Gas tragen.
  • Auch das geostrategische Interesse Russlands beim Gas und die Drosselungen der Gaslieferungen nicht nur von Russland, sondern auch von Norwegen, dürften eine Rolle spielen.
  • Der kalte und zurückliegende Winter 2020 hat außerdem Lagerbestände geleert, die nun aufgrund hoher Nachfrage teurer wieder gefüllt werden müssen.
  • Letztlich ist seit Januar 2021 durch die Einführung der CO2-Bepreisung 25 Euro je Tonne Kohlendioxid fällig, welches beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.
Ein positiver Effekt des Anstiegs der Kosten für fossile Energieträger: Die erneuerbaren Energien werden interessanter.
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Ein positiver Effekt des Anstiegs der Kosten für fossile Energieträger: Die erneuerbaren Energien werden interessanter.

Die Folgen des Kostenanstiegs

Die unmittelbare Folge des Kostenanstiegs ist selbstverständlich eine Unruhe und Ungewissheit auf Seiten der Verbraucher:innen und vor allem auch der bereits erwähnten kleineren Unternehmen. Sie fordern klare Stellungnahmen der Politik, wann wieder mit günstigeren Preisen zu rechnen ist, bzw. was für Maßnahmen ergriffen werden, um für finanzielle Entlastung zu sorgen.

Doch wann genau die Preise wieder sinken, lässt sich derzeit schlecht sagen. Starke Preisschwankungen, die im Grunde tagtäglich vorkommen, sind aktuell normal. Sicher ist sich die EU-Kommission zumindest darin, dass die hohen Energiepreise nicht allzu lange anhalten werden. Anfang des zweiten Quartals 2022, so heißt es immer wieder, sei mit einer Entspannung der Lage zu rechnen.

Was grundsätzlich oftmals vergessen wird und vor allem für Verbraucher:innen und Geringverdiener:innen schwer anzunehmen ist: Ein derzeitiger Anstieg der Energiepreise bringt tatsächlich auch etwas Gutes mit sich. So kommen die höheren Preise indirekt der Umwelt zugute. Denn gäbe es mehr erneuerbare Energien, würde der Strompreis an der Börse vermutlich deutlich sinken. Schließlich dominieren die hohen Preise für die fossilen Brennstoffe den Markt – nicht solche für eben deutlich weniger im System vorhandene Preise für erneuerbare Energien.

In der Wirtschaft findet derzeit sowieso ein Wandel hin Richtung Umweltbewusstsein und Klimaschutz statt. Die „Energiepreiskrise“, wie sie nun ansteht, könnte manchen Unternehmen einen weiteren Ruck geben. Zur Vorbereitung auf eventuelle weitere fossile Energiepreisanstiege dürfte manch ein Unternehmen den Entschluss treffen, mehr Erneuerbare in die Geschäftsaktivitäten zu implementieren.

Was die Politik unternimmt und unternehmen könnte

Mit den bereits jetzt erhöhten Energiepreisen geht jeder EU-Mitgliedsstaat auf eigene Art und Weise um. Bislang haben zwanzig EU-Staaten beispielsweise mit Steuersenkungen reagiert oder diverse Hilfeleistungen für die bevölkerungsteile umgesetzt.

Eigentlich sind Hilfen, wie sie aktuell umgesetzt werden, also direkte Zahlungen, Steuererleichterungen oder auch Subventionen für kleine Unternehmen, aufgrund von Wettbewerbsverzerrung innerhalb der EU verboten. Doch die EU-Kommission hat den Mitgliedsstaaten im Angesicht der brisanten Lage vorübergehend solche direkten Hilfen ausdrücklich erlaubt.

Frankreich zum Beispiel hat eine Tarifbremse versprochen. Außerdem soll den ärmeren Haushalten eine sogenannte „Energiebeihilfe“ in Höhe von 100 Euro ausgezahlt werden. Italien wiederum plant Investitionen von drei Milliarden Euro. Mit diesem Geld soll für alle Haushalte ein Teil der Strom- und Gasrechnungen übernommen werden.

Doch der erwähnte Unmut in der Bevölkerung äußert sich mancherorts weiterhin in konkreten Kritiken. In Spanien beispielsweise kam es bereits im Sommer 2021 zu mehrfachen Demonstrationen aufgrund der massiv angestiegenen Strompreise.

Auch französische Regierung rechnet trotz Hilfemaßnahmen mit Energiedemonstranten – denn die Proteste der Gelbwesten sind dort nicht vergessen. Selbst in Deutschland könnte es zu ähnlichen Unmutsäußerungen kommen. Denn aktuell hält Deutschland, was direkte Hilfen betrifft, die Füße still. Als Begründung dafür nennt die Politik die hierzulande noch nicht so stark angestiegenen Preise, wie man sie in anderen Staaten der EU bereits vorfindet. Eine Senkung der EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms aus staatlichen Mitteln allerdings sei auch schon beschlossen worden.

Ökostrom ist ein wichtiges Stichwort. Denn abseits der Förderung erneuerbarer Energien und des Ökostroms, wird ein direktes Eingreifen des Staates in den Energiemarkt auch kritisch gesehen. Es könnte auf der einen Seite zwar Verbraucher:innen kurzfristig entlasten. Auf der anderen Seite könnten manche Maßnahmen dem Klimaschutz ein Bein stellen und die fossilen Brennstoffe weiterhin attraktiv aussehen lassen.

Sinnvoller wären stattdessen sicher eher Maßnahmen, die einen schnelleren Ausbau von Onshore-Windanlagen und Solaranlagen in Deutschland vorantreiben. Damit könnte klimaneutral und regional Strom produziert und günstiger als bisher zur Verfügung gestellt werden.

Wie sich im Privaten Kosten sparen lassen: 7 Tipps

Programmierbare Thermostate helfen dabei die Heizkosten zu senken.
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Programmierbare Thermostate helfen dabei die Heizkosten zu senken.

Auch, wenn die Kosten vorzeitig Anfang 2022 wieder sinken werden, muss auf lange Sicht wohl doch mit stetig steigenden Energiekosten gerechnet werden. Solange zumindest, bis sich die erneuerbaren Energien deutlich mehr etabliert haben. Zudem steigt 2022 die CO2-Steuer an – was sich direkt auch mit mehr Kosten bei allen Verbraucher:innen bemerkbar machen wird. Bestenfalls handeln diese also auch selbst im Privaten und beachten diverse Dinge, mit denen sich Kosten sparen lassen.

  1. Diverse Strom- und Gasanbieter erhöhen derzeit ihre Preise. Finden derlei Preiserhöhungen während laufender Verträge der Kund:innen statt, so haben diese ein Sonderkündigungsrecht. Von diesem sollte man Gebrauch machen und in der Zeit biss zum Inkrafttreten der neuen Preise fristlos kündigen.
  2. Wer sich einen neuen Anbieter sucht, sollte unbedingt darauf achten, einen solchen zu finden, der keine Preiserhöhungen vornimmt. Nicht bei allen Anbietern sind die Gas-Speicher völlig geleert. Sie bieten dann Preise an, mit denen die Konkurrenz nicht mithalten kann. Zusätzlich lässt sich hier oft von Neukund:innen-Boni profitieren.
  3. Wer Heizöl kaufen muss, sollte darauf pochen, dass die Preise in Zukunft zumindest zeitweise wieder sinken werden. Es lohnt sich daher, den Tank vielleicht nur halb zu füllen und bei einem Abfall der Preise in einigen Monaten günstiger nachzukaufen.
  4. Empfehlenswert ist für alltäglichen Energieverbrauch außerdem ein Einbau programmierbarer Thermostate in die Wohnung. Sie können die Temperaturen in den Räumen nachts absenken – während des Schlafens ist es sowieso sinnvoll, es etwas kühler zu haben, da der Körper sich dann besser erholt.
  5. Um beim Heizen zu bleiben: Gerade im Winter, wenn richtig geheizt wird, ist es wichtig, die Türe aller Räume immer geschlossen zu halten. Denn Luft bewegt sich ständig. Lässt man die Türen offen, heizen die Heizungen die gesamte Wohnung. Auf dem Flur oder im besagten Schlafzimmer möchte man es allerdings vielleicht weniger warm haben, als in Arbeits- und Wohnzimmer. Daher gilt es, Räume separat zu heizen.
  6. Wasser lässt sich sparen, indem Sparduschköpfe und Spararmaturen installiert werden. Solche Anschaffungen kosten meist nicht viel, reduzieren auf Dauer aber die Menge an Wasser, die durch sie fließt enorm. Und damit sinkt eben auch der Warmwasserverbrauch.
  7. Eine beachtliche Menge des Stroms, der täglich verbraucht wird, geht für die Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik drauf. Gerade für die Jüngeren in der Bevölkerung ist das Smartphone nicht nur unterwegs ein ständiger Begleiter. Auch zuhause wird es ständig in die Hand genommen. Hinzu kommen oft Tablet, Notebook und (mobile) Spielekonsolen.

 

Während das Handy vielleicht stets zur Hand und einsatzbereit sein muss, gilt für alle anderen dieser Geräte, dass sie im Grunde nicht im Standbymodus betrieben werden müssen. Dennoch ist die Faulheit oder Gedankenlosigkeit oft zu groß und die Geräte werden nicht ausgeschaltet. Hieran gilt es zu arbeiten. Wird dann auch noch bei Neuanschaffungen diverser Elektronik und hier vor allem bei Küchengeräten auf energieeffiziente Modelle geachtet, schont man Umwelt und Portemonnaie gleichermaßen.

Dieser Artikel Entstand in Kooperation mit unserem externen Mitarbeiter Hendrik Melcher.